Städtebauliche Situation und Erschließung

Das städtebauliche Umfeld ist geprägt durch die heterogene Bebauung mit der traditionellen Böhler-Siedlung im Norden und der südlich des Laacher Weges angrenzenden Bebauung mit Punkthochhäusern aus den 70er und 80er Jahren.

Der Neubau zeigt einen zweigeschossigen Gebäudekörper, dessen klare Gebäudekubatur sich ruhig und selbstbewusst in das Umfeld einfügt. Der lang gestreckte Gebäuderiegel bildet somit eine Schnittstelle zwischen dem stark befahrenen Laacher Weg im Norden und dem ruhigen Freiraum für die Kinder im Süden aus.

Der Hauptzugang befindet sich auf der Westseite des Gebäudes. Von dort aus ist ein sichererer Zugang als direkt vom Laacher Weg aus gewährleistet. Der Eingangsbereich wird durch das deutlich auskragende Obergeschoss betont und vor Regen geschützt. Hier finden Kinderwägen und Fahrräder Unterstand. Der Vorplatz in diesem Bereich wird Teil des geplanten Parkbandes, das sich durch das Quartier erstreckt.

Entwurfs­beschreibung

In den Gebäudekörper werden geschosshohe, farbige „Bausteine“ eingefügt, die jeweils einen Funktionsbereich bilden. Diese sind von allen Seiten des Gebäudes aus wahrnehmbar. Durch die Farbigkeit wird die Nutzung des Gebäudes durch Kinder assoziiert. Die großzügige Glasfassade zum Laacher Weg unterstreicht diese Assoziation und ermöglicht Sichtbeziehungen zwischen außen und innen.

Der Neubau beherbergt zwei Funktionsbereiche:

  • Familienzentrum mit 3 Seminarräumen und Elterncafé
  • Kindertagesstätte mit 5 Gruppen und dazu gehörenden Nebenräumen

Familienzentrum

Das Foyer im westlichen Gebäudeteil dient der Erschließung des Familienzentrums und der Kita. Die Nutzung des Familienzentrums ist von der Kita unabhängig, da alle Räume direkt vom Foyer aus erschlossen werden.

Das Familienzentrum besteht aus drei Kursräumen, einem WC und dem Elterncafé. Die Küche wird vom Familienzentrum und der Kita gemeinsam genutzt und hat von beiden Bereichen einen Zugang.

Die drei Kursräume sind nach Süden ausgerichtet. Sie können durch Öffnen der mobilen Trennwände bei Bedarf zusammen geschaltet werden. Das Elterncafé ist mit dem Essbereich der Kita durch eine mobile Trennwand kombinierbar und dadurch flexibel und vielseitig nutzbar. Vor dem Café befindet sich eine Terrasse.

Kindertages­stätte

Im Anschluss an das Foyer gelangt man in die zentrale „Piazza“ mit Ess- und Multifunktionsbereich. Von hier aus führt eine Treppe ins Obergeschoss und ein breiter Flur zu den Räumen im Ostteil des Gebäudes. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Gruppenräume, ein Sanitärraum für beide Gruppen und die Küche. Diese Räume sind nach Süden ausgerichtet. Im Norden befinden sich ein Ruheraum für beide Gruppen, das Büro der Leitung, ein Besprechungsraum, der Wirtschaftsraum und ein Personal-WC mit Dusche. Der Essbereich und die Piazza im Zentrum der Kita sind zum Laacher Weg hin großflächig verglast, sie bilden das „Schaufenster zum Laacher Weg“ aus.

Die Gruppen- und Nebenräume werden durch mobile Trennwände mit Schlupftür flexibel nutzbar. Beide Räume können sowohl verbunden als auch getrennt voneinander genutzt werden. Sie haben jeweils einen direkten Zugang zum Garten, ebenso wie die Flure. Die Fassade zum Garten ist weitgehend verglast, sodass der Innenraum natürlich belichtet wird und der Sichtbezug zur Natur gegeben ist.

Der Sanitärbereich der Gruppen wird durch die Glasfassade natürlich belichtet und belüftet. Durch Innenfenster zwischen den Gruppenräumen und dem Sanitärbereich wird den Betreuern ein direkter Sichtbezug ermöglicht.Die großzügigen Flure sind als Spielraum nutzbar. Hier befinden sich die in die Wände integrierten Garderoben der Kinder. Das Obergeschoss wird durch einen behindertengerechten Aufzug vom Foyer und eine Treppe von der Piazza erschlossen. Unter der Treppe ist ein Schrank für Spielsachen integriert. Im Obergeschoss befinden sich drei nach Süden ausgerichtete Gruppenräume, sowie die dazugehörigen Sanitärbereiche.

Die Ruheräume, ein Mehrzweck- und Geräteraum, der Therapie- und der Personalraum sind nach Norden orientiert. Die Gruppen- und Nebenräume haben unmittelbaren Zugang zum Spiel-Balkon, von dem aus eine Treppe und eine (Not-) Rutsche direkt in den Garten führen. Den Treppenraum umschließt eine Empore, die Sichtbezüge zwischen den Geschossen ermöglicht. Die Glasfassade des Erdgeschosses wird ins Obergeschoss fortgeführt und erlaubt auch hier Sichtbezüge zum Laacher Weg.

Tragstruktur / Fassade

Die Wände bestehen aus Kalksandsteinmauerwerk, die Decken aus Stahlbeton. Die massive Bauweise zeigt Vorteile im Bereich des Schall-, Brand- und sommerlichen Wärmeschutzes gegenüber einer Holzbauweise. Als Verkleidung der Außenwände sind farbige Trespa-Platten vorgesehen. Diese setzen sich im Innenraum fort. Somit ist jeder Kubus als ein „Baustein“ erkennbar und bewirkt eine kindgerechte Maßstäblichkeit. Die Platten im Bereich der Flure können durch Lochbohrungen schallabsorbierend hergestellt werden und optimieren die akustischen Bedingungen. Die großen verglasten Bereiche bestehen aus einer Pfosten-Riegel-Konstruktion. Horizontallamellen dienen der Verschattung.

Freiraum

Ein grünes Parkband zieht sich durch mehrere Quartiere und trifft an der Westseite auf den Vorplatz der Kita. Die mäandrierende Wegeführung lädt zum Flanieren ein. Eine lockere Baumstellung aus Blütenkirschen unterstreicht den Charakter der „grünen Lunge“. Ovale Betonaufkantungen, die zum einen Pflanzgefäße, zum anderen aber auch Sitzgelegenheiten sind, begleiten den Weg und schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität. Der Laacher Weg wird im Bereich der Kita durch eine Verkehrsinsel unterteilt. Dadurch ist mit einer deutlichen Beruhigung des Verkehrs auf Höhe des Gebäudes zu rechnen.

Damit einhergehend verbessert die Bepflanzung die Außenraumqualität vor der Nordfassade. Die Freianlagen der Kita führen die natürliche organische Formensprache des Parkbands fort. Umgeben wird die Anlage von einer bespielbaren Strauchweidenbepflanzung und einem Wall. Dieser sorgt im Süden und Osten für eine natürliche Abgrenzung zu den Hochhäusern und bietet den Kindern eine geborgene Atmosphäre. Ein Rundweg aus sandfarbenem Asphalt windet sich durch den gesamten Freiraum und erschließt die verschiedenen Bereiche des Kindergartens. Zum einen gibt es den großen Spielbereich. In diesem bildet eine Sandspielfläche mit einer Rutsche aus dem Obergeschoss und einem Spielgerüst den Mittelpunkt. Direkt angrenzend liegt in einer kleineren Sandfläche der Wasserspielplatz mit Rinnsalen und Pumpen.

Darüber hinaus bieten größere Wiesenflächen die Möglichkeit zum freien Spiel. Eine Nestschaukel im Süden und eine Seilbahn runden das Spielangebot ab. Der Starthügel der Seilbahn beschreibt gleichzeitig auch die Abgrenzung zum Ruhebereich im Südosten. In einer dichteren Strauchpflanzung ermöglichen Nischen mit kleinen Spielhäusern den Kindern sich zurückzuziehen. Durch einen zweiten Hügel im westlichen Teil der Anlage führt ein Kriechtunnel zum Lernbereich. Auf einem Holzpodest ermöglichen Tische und Stühle den Kindern sich kleinen Experimenten hinzugeben.

Ein Regal sorgt für den nötigen Stauraum. Durch das Regal hindurch findet der Kriechtunnel auch wieder seinen Weg ins Freie. Die Kita und das Parkband schließen nicht nur die Lücke zwischen dem weiter südlich geplanten Abenteuerspielplatz mit den nördlichen Bereichen, etwa dem Garten- und dem Böhlerhof, sie unterstreichen darüber hinaus den vorhandenen grünen Charakter der Siedlung und schaffen Wohnqualität auf hohem Niveau.

Optional bietet das Dach des Gebäudes Platz für einen weiteren Bereich. Eine große Freispielfläche und ein Bobbycar- Parcours erweitern die bespielbare Fläche des Kindergartens deutlich. Das gesamte Dach wird aus verschiedenfarbigem Tartan hergestellt. Kleinere Holzpodeste bilden ruhigere Bereiche auf dem Dach. Durch Sonnensegel bleiben auch im Sommer ausreichend geschützte Rückzugsmöglichkeiten.

Die Erschließung erfolgt über einen Treppenlauf aus dem Obergeschoss. An das Treppenhaus der Dachfläche grenzt ein Abstellraum für Spielgeräte. Sofern die Dachfläche nicht für genutzt wird ist eine Dachbegrünung geplant, die auch von den angrenzenden Hochhäusern aus als gestalterisch angenehm wahrgenommen wird.)