Entwurfs­beschreibung BZ Kassel: Einteilung / Zuordnung der einzelnen Funktions­bereiche

Die Ausbildungsbereiche sind drei neuen, freistehenden Gebäudekörpern zugeordnet: Neubau N1 – Schreiner / Maler / Raumausstatter (zweigeschossig), Neubau N3 – Fleischer / Bäcker, Neubau N4 – Schweißen / Metallbau / CNC / SHK. Für allgemeine Funktionen positioniert sich der zentral gelegene Neubaukörper N2 direkt neben dem bestehenden Hochhaus mit folgenden Funktionen: Empfang, Multifunktionsraum, Theorie, Lehrerzimmer, Büros

Einbindung in das Ensemble

Das bestehende Hochhaus ist auf dem Grundstück der Schule von wesentlicher Bedeutung. Die geplanten Gebäude verteilen sich spielerisch auf dem Grundstück und respektieren die bestehenden Gebäude. Der Eingangsbereich des Neubaus N2 fügt sich, lediglich getrennt durch den verglasten Verbindungsgang, an das Hochhaus und formt im Zwischenraum den Empfangsbereich. An den Verbindungsgang gliedern sich drei Neubauten sowie das Hochhaus und verschmelzen so zu einer Einheit mit dem Bestand.

Technische und bauliche Realisierbarkeit

Der Fertigstellungstermin ist auf den 31.12.2014 festgelegt. Die Bauzeit hat unmittelbare Auswirkungen auf die geplante Bauweise. Für die Tragkonstruktion werden Stahlbetonfertigteilstützen und –träger verwendet. Dies kommt sowohl dem Schallschutz als auch dem Brandschutz zugute. Die Fassade wird aus vorgefertigten Betonsandwichelementen mit innenliegender Wärmedämmung hergestellt. Hierdurch ist eine extrem kurze Liefer- und Montagezeit gewährleistet.

Die Innenwände werden aus 17,5 cm starken Kalksandsteinen (Quadro) oder vorkonfektionierten XL-Plansteinen hergestellt. Diese bewirken aufgrund ihrer hohen Masse eine ausgeglichene Raumtemperatur, sind wirtschaftlich in der Herstellung, robust gegen mechanische Beanspruchungen und schnell zu verarbeiten. Die Dachkonstruktion besteht aus 18 cm hohen Trapezblechen, aufliegender Wärmedämmung, der Dachabdichtung und einer 8 cm starken Substratschicht für extensive Dachbegrünung. Dies wirkt sich positiv auf den sommerlichen Wärmeschutz aus.

Die Dachflächen werden für die spätere Montage von Photovoltaik- Elementen statisch bemessen und vorgerichtet. Die ca. 20 cm starken Industriebodenplatten sind unterseitig wärmegedämmt und geeignet zum Belegen mit Fliesen- und Plattenbelag oder zum Verkieseln (z.B. Ashford Formula). Die Fassadenöffnungen werden aus Stahl-Glas-Elementen hergestellt. Für den sommerlichen Wärme- und Blendschutz sind außenliegende Raffstoren (Horizontallamellen) vorgesehen.

Barrierefreiheit

Im Bereich der Treppe am Hauptzugang (Hochhaus BZ1 Und Neubau N2) bildet eine Rampe die behindertengerechte Erschließung. Im zweigeschossigen Neubaus N2 wird das 1. Obergeschoss optional durch einen kombinierten Personen- und Lastenaufzug barrierefrei erschlossen. Alle weiteren Neubauten sind sowohl für Personen als auch für die Anlieferung von Waren schwellenlos ausgebildet. Für die Anlieferung von Fleischwaren in den Kühl- und Lagerraum des Neubaus N3 überbrückt eine Weiche die Höhendifferenz zwischen Ladefläche und ebenerdigem Zugang.

Erschließungs­konzept / Integration der Außenanlagen

Vom Zugang der Falderbaumstraße gelangt der Besucher direkt zum Empfang zwischen Hochhaus BZ1 und Neubau N2. Von da aus sind über den verglasten Verbindungsgang die Neubauten N3 und N4 fußläufig zu erreichen. Der Verbindungsgang ist zugleich als Wartezone und Ausstellungsbereich nutzbar und erweitert sich bei den Zugängen der Gebäude zu Foyers, die mit Sitznischen Platz zum Verweilen bieten.

Die Außenräume zwischen den Neubauten werden als Parkzonen und Freiflächen ausgebildet. Der zentrale Platz des gesamten Grundstückes befindet sich zwischen Neubau N2 und N4. Mit Sitzbereichen unter Trauerweiden, Gräserstreifen, einer Wasserfläche mit Seerosen, befestigten und unbefestigten Flächen bietet dieser parkähnliche Platz hohe Aufenthalts- und Erholungsqualität. Ein kleinerer Platz entsteht nördlich des Kasinos und wird östlich durch das Internat gefasst. Alle Neubauten erhalten ruhige Innenhöfe, die mit Sitzbänken, Gräsern und blühenden Bäumen als Pausen- und Aufenthaltsbereich den Nutzern zur Verfügung stehen.

Die Parkplätze verteilen sich auf dem Gelände und schaffen somit kurze Wege zwischen PKW und Ausbildungsplatz. Die Parkplatzbereiche werden mit blühenden Zierkirschbäumen verschattet. Die Anzahl der bestehenden Parkplätze beträgt 228; der Entwurf weist 243 Parkplätze aus. Somit werden 15 Stellplätze zusätzlich geschaffen. Zudem werden 36 Fahrradstellplätze angeboten.

Nachhaltigkeit: Erweiterungs- und Ausbau­möglichkeiten

Die geplante Positionierung der Neubauten auf dem Gelände ermöglicht eine Erweiterung durch zusätzliche Neubauten. Hierdurch verringern sich entsprechend die Frei- und Parkplatzflächen.

Architektonische Gestaltung / Städtebauliche Situation

Das BZ liegt gut erreichbar im Industriegebiet Kassel-Waldau in unmittelbarer Nähe des Autobahnanschlusses der A 49 an den stark frequentierten Straßen B 83 und Falderbaumstraße. Der Entwurf ist geprägt durch kubische Gebäudekörper, die sich auf dem Grundstück des Berufsbildungszentrums entlang einer Erschließungsachse gruppieren. Die Positionierung der Neubauten bringt im Zentrum des Gebäudeensembles einen großzügigen, geschützten Freiraum mit abwechslungsreichen Sichtbeziehungen hervor.

Die einzelnen Neubauten spiegeln dieses Konzept in der Ausformulierung von Innenhöfen wieder. Die einzelnen Gebäude zeichnen sich durch eine klare Erschließungs- und Grundrissstruktur mit kompakten Ausbildungs- und Funktionsbereichen aus. Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal liegt in den großzügigen Öffnungen der Fassaden zum öffentlichen Straßenraum und den innenliegenden Freiräumen. Durch diese Transparenz erfüllen die Gebäude die Funktion einer lebendigen Visitenkarte für das Handwerk und werden damit seiner Innovationskraft und seinem hohen gesellschaftlichen Ansehen gerecht.